8. Tag: Der Tempel der Waldkobolde

Konnichiwa und goodbye Osaka! Es geht wieder raus aus der großen Stadt, heute mit einem Ausflug in die Natur. Wir besuchen den Shipporyuji 七宝瀧寺 Tempel der Gottheit Kurikara Dairyu Fudo Myo’o in Izumisano.

Diese Gottheit schaut recht grimmig. Das ist aber kein Problem; das grimmige Gesicht soll nur die schlechten Intentionen und Angewohnheiten der Menschen sowie Diebe fernhalten. Keine Gefahr für uns. 🙂

Kurikara Dairyu Fudo Myo’o wird als schwarzer Drache, welcher sich im Feuer um ein Schwert schlängelt. Der Drache steht für Wasser, das Feuer für Feuer – deshalb ist diese Gottheit für die Reinigung von Körper und Geist zuständig. Der Drache verschlingt die Unwissenheit und die drei Geistesgifte (Gier, Zorn, Verblendung). Das Schwert steht für Weisheit, die Illusionen durchschneidet. Er gilt als Gottheit, die weltliche Wünsche erfüllt, sofern sie mit reinem Herzen vorgebracht werden.

Die Wasserfälle am Weg zum Tempel werden für rituelle Waschungen verwendet. 7 Wasserfälle sind den 7 Glücksgöttern geweiht, damit ist der ganze Weg ein heiliger Ort.
Oftmals kommen wir an sehr verlassenen, zerfallenen und verrosteten Bauwerken, Toris und Schreinen vorbei. Die Fahnen sind verwittert und ausgebleicht.
Wir haben offenbar einen sehr naturbelassenen heiligen Ort gefunden, welcher nicht viel von Besuchern frequentiert ist. Die Betenden, die hier herkommen schätzen den Tempel als asketischen Bergtempel und lassen somit auch der Natur ihren Freiraum.

Diese Philosophie entspricht der Wabi-Sabi Ästhetik, wo die Schönheit im Unvollkommenen und Alten geschätzt wird.

Am Weg entdecke ich auch wirklich wilde geologische Formationen, die offensichtlich nicht mehr sehr stabil sind. Immer wieder sehe ich Steine mit geschätzt 150 kg, die Zäune verbogen und Geländer durchschlagen haben. Achtung, Steinschlag!
Hier finde ich sogar eine interreligiöse Stätte mit einem Kreuz 🙂
Die Stille des Waldes wird vom Geräusch eines Laubbläsers bereichert, welcher auf den letzten Metern bis zum Tempel die Stufen reinigt.
Shipporyuji 七宝瀧寺
Wow.
Das WC am Tempel ist alleine wegen der Darstellung des Gottes ein Highlight für sich. Die Schilder warnen davor, den Gott durch Verschmutzung der Toiletten zu verärgern.

Auf dem Weg nach Hause erklingt beim Zahlen im Bus (habe zu viel in den Automaten geworfen) ein Schrilles Geräusch im ganzen Bus und mein Handy vibriert. Dass der Einwurf von zu vielen Münzen so eine Konsequenz nach sich zieht, kommt mir komisch vor, ich habe aber ein schlechtes Gewissen.

Ausgestiegen dann der Blick auf das Handy, ui, mein erstes Erdbeben incoming! Gemerkt haben wir beide nichts. Die Welt um uns herum ist allerdings für 10 Minuten still gestanden – alle Züge wurden aufgehalten, alle Bahnschranken waren zu und die Autofahrer blieben mit Warnblinker am Busbahnhof stehen.

Sobald die Züge wieder fahren durften, löste sich auch die allgemeine Starre und jeder ging wieder seines Weges.

Nach einem indischen Abendessen (bzw. indisch – japanisch, sehr wenig scharf) geht’s dann ins Hotel.

Zimmer im „westlichen Stil“ – pretty british! Schön!
Heute sind wir 9 km gewandert.

Kommentare

3 Kommentare zu „8. Tag: Der Tempel der Waldkobolde“

  1. Avatar von I and Y
    I and Y

    Amazing places, amazing photos. Do you know the magnitude of the earthquake? I was just trying to show you some photos from what I did today but the minute I leave this platform to get me a copy the whole text of the whole message is gone. That is not very comfortable anyways wonderful places and thank you so much for sharing to be part of your amazing travel experiences love always

    1. Magnitude is shown on the screenshot 🙂

  2. Na ihr erlebt ja tolle Tage ,sogar mit Erdbeben ,meine Verwandten sind heute wieder nach Hause gefahren und ich bin auch ziemlich müde, es hatte heute 29 Grad, das ist schon ungewöhnlich wünsche euch einen angenehmen erholsamen Abend LG

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