Heute beginnt die Rückreise nach Tokyo. Nachdem wir von der Hauptstadt mittlerweile ca. 1100 km entfernt sind und nicht 7 Stunden durchgehend im Zug sitzen wollen, teilen wir das Zurückfahren in Etappen.
Heute fahren wir 700 km mit Regionalzügen und den Shinkansen nach Gifu, nördlich von Nagoya und nordöstlich von Kyoto und Osaka.
Am Nachmittag kommen wir an – eine bunte, blinkende Stadt mit spannenden Features erwartet uns bereits. Es fallen sofort die Überdachungen der Gehsteige auf, die ich so in keiner anderen Stadt bisher in Japan gesehen habe. Ich kamm herausfinden, dass dies eine Kombination aus Shōtengai (den überdachten Einkauffstraßen) und Gangi-Zukuri (Schutz für Fußgänger und flüchtende Menschen bei Erdbeben vor herunterfallenden Dingen) ist.Spannende unterschiede bei den Häusern fallen mir auch gleich auf – Hochhaus neben westlichen Rundbögen neben Industriegebäude neben begrünter Straße. Puh. Die Überdachungen haben zusätzlich die Stromzuleitungen für die Häuser in sich und gewährleisten die Straßenbeleuchtung. Bei Feuer können die Menschen aus den oberen Stockwerken auf die Überdachung flüchten – hierfür gibt es an den Stützen sogar ausklappbare Leitern. Hier sind noch ältere Überdachungen zu sehen, diese führen noch relativ weit von der Hauptstraße weg und enden im nicht mehr so frequentierten Bereich der Stadt. Kurz vor unserem Hotel wiederum Kontraste: unterschiedliche Bauhöhen, Bauweisen, Erhaltungszustände. Alles zusammengewürfelt. Gleich neben unserem Hotel finden wir den Einstieg in einen Wanderweg auf den danebenliegenden Hügel – perfekt nach 5 Stunden sitzen. Am Plateau des Hügels befindet sich ein lost Place – ein altes Planetarium aus den späten 50er Jahren, welches jetzt als Aussichtsplattform genutzt wird. Okay. 😀Es wirkt hier alles so durcheinander gewürfelt. Zum Vergleich: diese Stadt ähnelt von den Einwohnerzahlen her Graz in Österreich; vom Glockenturm dort ist die Aussicht allerdings spürbar einheitlicher. Die Fassden sind schmutzig… …traditionelle Hausdächer zwischen Bauklötzen. Nun ja, es macht ja auch irgendwie Sinn, dass das nicht zusammenpassen muss, wenn bedacht wird, dass alle diese Häuser nach 30 Jahren wieder abgerissen und neu aufgebaut werden.
Das japanische Finanzamt schreibt die Häuser innerhalb von 22 Jahren ab, ab 30 Jahren Alter ist es nicht mehr möglich, eine Hypothek auf ein altes Haus aufzunehmen, geschweige denn eine Erdbebenversicherung abzuschließen. Das zwingt im Prinzip dazu, das alte Haus, welches hier als Gebrauchsgegenstand zählt, zu ersetzen. Auch hier kostet das Bauen eines Hauses umgerechnet zwischen 150.000 und 300.000 €, mit Krediten, die dann wie Miete bezahlt werden, wird so innerhalb einer Generation ein kleines Vermögen vernichtet.
Die Recyclingraten für die alten Baustoffe klingen super – Holz 90% und Beton 99% – der Bedarf an Altbeton (welcher nur mehr für Straßen oder Hangbefestigungen verwendet werden kann) ist allerdings gesättigt. Um den Beton zu verbrauchen, werden Küstenabschnitte betoniert (60% der japanischen Küste sind bereits aus Beton) und „Reservepisten“ für Flughäfen gebaut. Seit 1-2 Jahren erst werden von der Regierung Häuser gefördert, die eine Lebenszeit von 100 Jahren haben sollen.
Auch die Bauweise der japanischen Häuser erlebt eine Revolution – an der westlichen Bauweise schätzt man in Japan vor allem die Wärmekapazität/Isolierung von Häusern sowie die Optik der Häuser nach außen. Was hier aber nicht vergessen werden darf, ist das subtropische Klima, weshalb dir japanischen Häuser weiterhin „atmen“ müssen, also nicht dicht sein dürfen. Sicher sehr spannend, was sich in den nächsten 10 Jahren hier tut.
Die Sonne beginnt unterzugehen – zuhause ist es jetzt gerade mal 11 Uhr vormittags. 🙂 Die Berge sind jedenfalls wirklich hübsch 🙂 Heute wieder 10 km gehen – zum Zug – zum anderen Zug – zum anderen Zug – zum Hotel – zum Essen.
Na was ihr so alles erlebt, was die Bauweise betrifft höchst interessant für euch, ja und bald geht der Urlaub zu Ende…wünsche euch noch schöne Tage, LG Anni
Looking at the buildings and the ‚roofed‘ side walks and the mixture of it all is ever so impressive for me while spending my days here in Vsd Ischl…what a difference!!!
Today lot of heavy rain here. Have you had some?
Great Sunsets and always good to See You ever so often😘😘
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